Luana Lo Presti

Dialyse bei einem Kleinkind
 

Drei Wochen kämpfte Luana um ihr junges Leben.Katia Lo Presti ist eine hübsche Frau mit einer sehr süssen Tochter und zwei wunderbaren Söhnen. Sie führt ein glückliches Familienleben – das gibt sie gerne mit einem schönen Lächeln zu – und freut sich über den Zusammenhalt in ihrer Verwandtschaft. Beim ersten Blick könnte man sie um ihr Glück beneiden, die Frau Lo Presti, denn man denkt "Was für ein Glückspilz – sie hat alles was im Leben von Bedeutung ist."

 

Und das ist wahr, Katia Lo Presti
besitzt vieles, ja sehr vieles, was
unbezahlbar ist. Dafür aber musste
sie sehr kämpfen und einen
starken Glauben ausüben.
Hier die Chronik eines unglaublichen
Leidens von Mutter und Kind …

 

Es war einmal eine Frau, Katia. Sie hatte ein Baby, Luana. Aber mit 10 Monaten begann Luana an grippenähnlichen Symptomen zu leiden. Sie atmete "komisch". Weil die Mutter mit der Gesundheit ihrer Tochter unzufrieden war erfolgten über die folgenden vier Monaten wiederholt Arztbesuche. Vom Hausarzt erhielt sie immer die Antwort, dass das Kleinkind an einer Grippe leide.

 

Am 31. März, 2007 musste Luana aber notfallmässig ins Triemli-Spital gebracht werden weil sie an RSV (einem Lungenvirus) und Bronchitis litt. Dazu stellten die Ärzte eine Lungenentzündung fest. Antibiotika nutzten nicht mehr um diese Entzündung zu heilen, weshalb Luana mit der Ambulanz ins Kinderspital eingeliefert wurde.

 

Katia Lo Presti wird für den Rest ihres Lebens nie die Szene auf der Intensivstation vergessen können, wie die gross gewordenen Augen ihres Kindes sie anstarrten als ob sie Hilfe suchten und wie es mit dem von den Ärzten zerrissenen "Liebli" dort lag, weil sie so schnell handeln mussten, um das Leben Luana's zu retten. Drei Wochen lang musste Luana künstlich beatmet werden. Drei Wochen kämpfte sie um ihr Leben.

 

Mit Zittern erinnert sich die Mutter
wie Luana eine aggressive Art zeigte
und wie sie komisch "krähte".
"Ihre Pupillen waren so gross und es
wurde mir gesagt, sie sei gerade noch
rechtzeitig ins Spital geliefert
worden. Bloss 10 Minuten später und
ihr Herz hätte aufgehört zu
schlagen!" seufzte Katia Lo Presti.

 

Durch Pneumokokken im Blut bekam Luana dann eine starke Blutvergiftung. Die Ärzte stellten eine H.U.S. Krankheit fest. Dieser heimtückische Virus war der Auslöser für die verschiedenen Krankheiten. Das Kleinkind musste mit einer Bauchfelldialyse sofort unter Narkose intubiert werden. Damals war sie 14 Monate alt.

 

Zu diesem Zeitpunkt begann eine schwere Zeit des Bangens und Wartens um das Wohl von Luana weil sich nun Lähmungserscheinungen einstellten!! Ihre ganze rechte Seite war gelähmt. Die Ärzte befürchteten eine Hirnhautentzündung. Dieser Zustand förderte stark den Glauben von Katia Lo Presti. Was sonst konnte sie tun ausser hoffen, beten und sich in Geduld zu üben?! Und so war es. Langsam begann Luana wieder kleine Bewegungen zu machen. Zuerst bewegte sie ihre Finger, dann ihren Arm, bis die Lähmungen nach drei Monaten wieder verschwanden. Während dieser Zeit gab es auch viele andere Hürden zu überwinden.

 

Im Normalfall passt die Bauchfelldialyse am Besten für Kleinkinder. Jetzt aber bekam Katia Lo Presti noch einen Schlag: Das Bauchloch für den Schlauch leckte, es wollte nicht dicht halten. Was tun? Die Hämodialyse ist nicht für Kleinkinder geeignet da es in diesem Alter für das Kind schwierig ist, über 4 Stunden ruhig zu bleiben. Es gab aber keine Alternative. Luana musste hämodialysiert werden! Nochmals unter Narkose wurde Luana einen Katheter direkt in die Vena Subclavia* eingesetzt. Das Blut wird davon in den Dialyseapparat und gereinigt zurück in den Körper geleitet. Wegen ihrem erschöpften Zustand stemmte sich die kleine Luana nicht dagegen und tatsächlich! Entgegen allen Erwartungen funktionierte es bei ihr. Drei Monate lang blieb sie im Kinderspital und konnte sich einigermassen erholen.

 

Am 4. Juli 2007 durfte eine kleine
aufgestellte Luana ohne
Hämodialyse-Katheter nach Hause
gehen. Unglaublicherweise wollte sie
normal essen und musste nur abends
durch eine Nasensonde künstlich
ernährt werden. Katia Lo Presti
begann auf eine Genesung zu hoffen.

 

Der Bauchfelldialyse-Katheter war zu diesem Zeitpunkt nicht herausoperiert. Man wollte ihn ausruhen lassen. Eine Weile lang schien bei Luana alles gut zu funktionieren. Aber es sollte einfach nicht sein. Der Bauchfelldialyse-Schlauch verstopfte und musste doch herausoperiert werden.

 

Bis zum 31. Oktober ging es Luana entsprechend gut. Aber dann plötzlich begannen sich Luana's Lungen mit Wasser zu füllen. Das Kleinkind konnte einfach nicht atmen. Wieder musste sie notfallmässig ins Kinderspital abgeliefert werden, wo das Wasser mit der Hämodialyse aus den Lungen entfernt werden konnte. Nochmals eine Operation, nochmals einen Katheter!

 

Mit Hilfe eines "chronischen" Dialysekatheters, welcher unter der Haut des Kindes festgenäht wurde, durfte die kleine tapfere Luana für Weihnachten 2007 nach Hause zurückkehren. Katia Lo Presti musste trotzdem Luana für drei Tage in der Woche ins Spital bringen, um sie hämodialysieren zu lassen. Im Februar 2008 sank der Kreatinin-Wert* im Blut auf 190. Ein gutes Zeichen! Danach entschieden die Nephrologen, Luana von der Dialyse zu nehmen, um zu beobachten, ob die Nieren sich regenerieren könnten. Die Ärzte hatten nicht damit gerechnet, dass Luana ein zweites Mal von der Dialyse wegkommen könnte. Es war für sie ein grosses Wunder.

 

Nun, mit 27 Monaten wiegt Luana
11 Kilos. Sie bleibt momentan ohne
Dialyse und hat einen vertretbaren
Kreatinin-Wert von ca. 180. Sie ist
munter, isst und entwickelt sich gut.
Sie ist ein typisches, lebhaftes
2-jähriges Kind. "Es scheint mir, dass
sie versucht alles nachzuholen, was
sie in diesen zwei Jahren vermisst
hat," sagt die dankbare Mutter.

 

Vielleicht beneidet man Katia Lo Presti doch nicht, aber für ihr Durchhaltevermögen hat man wirklich viel Respekt. Und selbstverständlich für die kleine, von H.U.S. geplagte Luana, die sich trotz allem für das Leben entschieden hat!! Wir drücken ihr und ihrer Familie die Daumen auf eine gesunde Zukunft. Viel Glück!

 

 

* Die Vena subclavia ist im Bereich der ersten Rippe mit den umgebenden Strukturen bindegewebig verbunden und wird auf diese Weise offen gehalten, was die Punktion zur Anlage eines zentralvenösen Katheters begünstigt.

* Durch die Menge von Kreatinin im Blut kann der Nephrologe die Tätigkeit der Niere messen.

 

 

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